Koordinationsrat der Muslime: „Nie wieder“ beginnt im Alltag

Köln, 27. Januar 2026„Erinnerungskultur ist kein Pflichtprogramm, sondern eine Haltung. Wer heute schweigt, wenn Hass salonfähig wird, gefährdet unser aller Morgen“ erklärt Ali Mete, Sprecher des Koordinationsrates der Muslime (KRM), anlässlich des Internationalen Holocaust Gedenktages am 27. Januar. Er nimmt am Dienstag an der Gedenkveranstaltung im Düsseldorfer Landtag und am Mittwoch an der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag teil. Ali Mete weiter:

„Der 27. Januar ist kein bloßer Termin im Kalender, und auch kein Ritual für einen Tag – er ist ein Maßstab dafür, wie ernst wir die Würde des Menschen heute nehmen. Er erinnert an die Befreiung von Auschwitz 1945 und an die Millionen Entrechteten, Verfolgten und Ermordeten – Jüdinnen und Juden ebenso wie viele andere Opfergruppen, darunter auch Sinti und Roma, die bis heute Antiziganismus erfahren; unter ihnen waren damals ebenfalls Musliminnen und Muslime. Aus diesem Gedenken folgt eine Lehre: ‚Nie wieder‘ bleibt nur dann mehr als ein Satz, wenn wir daraus Konsequenzen für die Gegenwart ziehen – nüchtern, konsequent und ohne Ausreden.

Gerade in einer Zeit, in der sich ein Rechtsruck bemerkbar macht und menschenfeindliche Sprache wieder häufiger als ‚Meinung‘ getarnt wird, müssen wir uns klarmachen: Demokratische Gesellschaften zerbrechen selten plötzlich, sie erodieren schrittweise – erst werden Menschen herabgewürdigt, dann werden sie ausgegrenzt, und irgendwann wird das Unrecht zur Gewohnheit. Das betrifft nicht nur einzelne Gruppen, sondern das Fundament des Zusammenlebens.

Als Sprecher des Koordinationsrates der Muslime nehme ich deshalb an den Gedenkveranstaltungen in unserem Parlament in Düsseldorf und im Bundestag teil – nicht als Symbol, sondern als klare Haltung: Musliminnen und Muslime in Deutschland stellen sich diesem Trend entgegen und widersprechen Antisemitismus, Antiziganismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Die muslimische Bevölkerung weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell aus Worten Taten werden können, wenn Hass normalisiert wird. Interreligiöse Verantwortung heißt darum: sichtbar zusammenstehen, einander nicht allein lassen, und früh widersprechen – in Schulen, in Medien, in der Politik und im Alltag. Dazu gehört für uns auch, Begegnung zu ermöglichen, Bildungsarbeit zu stärken und klar Position zu beziehen, wenn Vorurteile oder Verschwörungsmythen auftauchen. ‚Nie wieder‘ ist keine Parole, sondern eine tägliche Aufgabe.“