Glaube beheimatet und öffnet: EKD und KRM erteilen Hass und Hetze eine Absage

Pressemitteilung des KRM vom 1.07.2019

Jährliches Spitzentreffen zwischen evangelischer Kirche und Koordinationsrat der Muslime in

München

KRM EKD Spitzentreffen München

Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des

Koordinationsrates der Muslime (KRM) sind am Mittwoch in München zu ihrem jährlichen

Gespräch zusammengekommen. Im Mittelpunkt stand dabei das Thema „Religiöse Heimat und

Identität“. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten über Zugehörigkeit und Zuwanderung

war man sich einig, dass die religiöse Verortung eines Menschen eine wichtige Rolle für seine

Identität spielt. „Der Glaube schafft Beheimatung, aber nicht im engen Sinne eines Rückzugs auf

die eigene Scholle, sondern im Sinne einer Vergewisserung, die auch mit Vielfalt und

Veränderung offen und konstruktiv umgeht“, so der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof

Heinrich Bedford-Strohm. „Die Form von Identität und Heimat, die sich aus der christlichjüdischen

Tradition speist, taugt nicht als Mittel der Ausgrenzung, sondern sie ist

Ausstrahlungsquelle einer Liebe, die Grenzen nicht aufrichtet, sondern überwindet.“

Die Sprecherin des KRM, Nurhan Soykan, verwies auf die Abgrenzungsdiskurse, die mit dem

Heimatbegriff oft verbunden sind, und warb dafür, Menschen, die mehr als ein Mutter- oder

Vaterland haben, als Bereicherung einer Gesellschaft zu erkennen. „Durch die fortlaufende

Infragestellung gerade von Muslimen in Deutschland, die hier schon seit vielen Generationen

leben, wird es ihnen erschwert, Deutschland als ihre Heimat zu begreifen. Gerade im

öffentlichen Diskurs finden sich hartnäckige Narrative von Ausgrenzung und Ausschluss“,

kritisiert Frau Soykan die derzeitige Situation. „Als Religionsgemeinschaften ist es unsere

gemeinsame Aufgabe, diese negative Haltung zu überwinden und Raum für eine gemeinsame

Heimat und eine gemeinsame Zukunft zu schaffen.“

Übereinstimmungen zwischen Christentum und Islam wurden auch deutlich, als es um die

Vorläufigkeit jeder irdischen Heimat ging. Die endgültige Heimat stehe immer noch aus,

äußerten Theologen beider Religionen. Populistischen Tendenzen, die einer Überhöhung der je

eigenen Nation das Wort reden, müsse aus religiöser Sicht eine klare Absage erteilt werden.

Weltweit verbreitete Religionen wie das Christentum oder der Islam ließen sich weder auf eine

bestimmte Nationalität noch auf eine bestimmte Herkunft oder Kultur begrenzen. Grenz- und

länderüberschreitende Kontakte innerhalb einer Religion oder zwischen den Religionen

gehörten daher zum Selbstverständnis der EKD wie des KRM. Die vielfältige Auslandsarbeit der

EKD, aber auch zahlreiche Auslandskontakte der KRM-Verbände seien dafür sichtbare Belege.

Dass der Dialog in Deutschland in Übereinstimmung mit den Werten des Grundgesetzes geführt

werden muss, ist im 70. Jahr seines Bestehens eine Selbstverständlichkeit, auf die sich EKD und

KRM bereits 2015 in einem gemeinsamen Dialogratgeber verständigt hatten. „Hass und Hetze

dürfen hier keinen Platz haben“, so die gemeinsame Überzeugung.

Gemeinsam begrüßten die Vertreterinnen und Vertreter von KRM und EKD die von einem

italienischen Gericht angeordnete Freilassung der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete: Zivile

Seenotretter dürften nicht kriminalisiert werden. „Menschen aus Lebensgefahr zu retten, ist

über alle Religionen hinweg ein Gebot der Menschlichkeit,“ so die Reaktion auf die

Gerichtsentscheidung vom Vorabend.

Das Spitzengespräch zwischen EKD und muslimischen Verbänden findet seit 2005 mit je

wechselnder Gastgeberschaft statt.

 

Hannover/München, 3. Juli 2019