´╗┐ KRM - Koordinationsrat der Muslime
2012-01-17
Gru▀wort Bekir Alboga, Sprecher des KRM in Deutschland, anlńsslich der Er÷ffnung des Zentrums fŘr Islamische Theologie in TŘbingen

Grußwort Bekir Alboga, Sprecher des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland, anlässlich der Eröffnung des Zentrums für Islamische Theologie am 16.01.2012 in Tübingen

Sehr geehrte Frau Ministerin Professor Schavan,
Sehr geehrte Frau Ministerin Bauer
Sehr geehrte Frau Ministerin Öney,
Sehr geehrter Herr Professor Paçaci,
Sehr geehrter Herr Dr. Çeriç,
Sehr geehrter Herr Professor Strohschneider
Sehr geehrter Herr Professor Hamdan,

sehr geehrte Festgäste,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

im Namen des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland möchte ich Sie alle ganz herzlich begrüßen und dem Zentrum für Islamische Theologie alles Gute und einen erfolgreichen Start wünschen.

Sehr geehrter Herr Rektor Dr. Engler,

Ihnen möchte ich ganz herzlich danken, für die gute Organisation dieser Eröffnungsfeier und für Ihre Einladung, zu diesem  historischen Anlass ein Grußwort für den Koordinationsrat der Muslime in Deutschland zu halten. Vor Allem im Namen der Religionsgemeinschaften des KRM, der DITIB (Türkisch Islamische Union) und VIKZ (Verband der Islamischen Kulturzentren), die im Land Baden-Württemberg mit ihren Landes-Religionsgemeinschaften darin Teil dieser Arbeit sind. Herr DITIB-Vorsitzender Prof. Dr. Ali Dere, Herr Erdinç Altuntaþ, Vorsitzender der DITIB-Landesreligionsgemeinschaft in Württemberg und Herr Yavuz Kazanç, Vorsitzender des  VIKZ-Landesverbandes in Baden-Württemberg  sind unter uns; ich begrüße sie ebenfalls herzlich. Sie alle haben diesen Prozess von Anfang an sehr engagiert mit gestaltet.

Gerne hätte ich mein Grußwort im Namen aller im KRM vertretenen vier Religionsgemeinschaften der Muslime gesprochen, daher hoffe ich, dass bald auch Vertreter vom ZDM und Islamrat ihre Landesverbände einrichten, somit auf Landesebene  mit am Tisch sitzen und diesen Prozess mit gestalten.

Liebe Festgäste,

zu Beginn eines Entfaltungsprozesses in einem immer pluralistisch werdenden Zeitgeist in Deutschland erleben wir alle einen glücklichen Moment, der für die Gesamtgesellschaft und für die muslimische Religionsgemeinschaft hierzulande, aber auch auf internationaler Ebene einen Meilenstein darstellt. Unsere hohen Gäste aus Ankara, Herr Prof. Paçacý  und aus Sarayevo,Herr Raisululema Dr. Çeriç dokumentieren dies mit Ihrem ehrwürdigen Zugegensein. Dies ist ebenfalls Ausdruck dessen, wie tiefgreifend und grenzenübergreifend sich diese Entwicklungen gegenseitig beeinflussen werden.

Wir, die Angehörigen der muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland, die mittlerweile eine deutschlandweite Einheit bilden und in der aktuellen Zusammensetzung der muslimischen Religionsgemeinschaften  im KRM  mehrheitlich mit einer Stimme sprechen, erleben diesen Prozess mit gemischten Gefühlen.

Einerseits begrüßen wir die Anerkennung des Islam als Religion auf der Ebene der vielfältigen Universitätslandschaft, der Deutschen Islamkonferenz und dem Nationalen Integrationsgipfel. So wie wir in den letzten 5 bis 6 Jahren auf den beiden Gipfeln als Ansprechpartner für den Staat fungieren und am Rande des selben Tisches über die Zukunft Deutschlands uns austauschen, bisweilen auch kontrovers diskutieren, schlussfolgern und Aktionspläne entwickeln, führen wir nun zusammen mit den Universitäten Zentren bzw. Lehrstühle für islamische Theologie ein. Dies erfreut uns. Hiermit fühlen wir uns in unserer Wahrnehmung bestätigt, dass wir eine Religionsgemeinschaft sind, wie die katholische, evangelische oder jüdische Gemeinde auch, und diesen neuen Schritt mit Rat und Tat fördern. Auch die Vertretung des KRM heute durch meine Wenigkeit ist ein ausdrucksstarkes Zeichen für unsere Unterstützung dieses Prozesses. Wohl wissend, dass wir alle hiermit nicht ganz im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben handeln, in dem wir dem Beiratmodell, was vom Wissenschaftsrat empfohlen und von den Universitäten umgehend aufgegriffen wurde, mit umsetzen. Diesem Provisorium sprechen wir unsere Zustimmung aus, weil wir wissen, dass es sich dabei um eine Übergangslösung handelt, was aus der Sicht der muslimischen Religionsgemeinschaften entbehrlich ist, da wir de Facto eine Religionsgemeinschaft sind und naturgemäß als Partner wahrgenommen werden sollten.

Andererseits macht uns dieses Provisorium traurig, dass wir juristisch noch nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt werden. Damit verzögert sich die juristische Anerkennung als Religionsgemeinschaft. Nur um zwei plakative Beispiele zum Ausdruck zu bringen: Weder können wir z. B. unsere Kinder beim Standesamt „muslimisch“ eintragen lassen, noch können wir an der Meinungsbildung durch Medien partizipieren, da wir nicht im Rundfunksrat sitzen. Die Folgen sind uns Allen nur allzu bekannt: in Deutschland herrscht ein sehr negatives Bild vom Islam und Muslimen. Von rechtsradikaler Gesinnung als Fremder und Feind verfolgt und abgelehnt, aber auch von der Mehrheit schief beäugt, ja oft diskriminiert, dies sind auch daraus resultierende Konsequenzen.

Das auf Grund der Empfehlung des Wissenschaftsrates seitens der Universitäten aufgegriffene und als Überganslösung gedachte Beiratsmodell wird auch z. B. vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen in Anspruch genommen, womit wir eigentlich nicht rechneten. Man stützt sich dabei auf die Empfehlung des Wissenschaftsrates.  Es überrascht uns, dass man in Deutschland, in dem Ordnung und Gesetz einen hohen Stellenwert haben und wir Muslime oft um Achtung des Grundgesetzes angemahnt wurden, außerhalb des Gesetzes handeln kann oder das Gesetz so biegen kann, damit es passt… oder gar  ein neues Gesetz schafft, was von uns, den  muslimischen Religionsgemeinschaften im KRM, als eine überflüssige Zeitverschwendung oder zeitliche Verschleppung in dieser Angelegenheit durch das entsprechende Ministerium gedeutet wird.

Daher hoffen wir, dass wir heute mit dieser Eröffnungsfeier den Sinn und Zweck der Botschaft des Wissenschaftsrates noch einmal vor allem denjenigen in Erinnerung rufen, die diese Botschaft hören und sich verantwortlich fühlen - oder es zumindest sollten.

Ich wünsche dem Zentrum für islamische Theologie viel Erfolg, viele Studierende mit Schöngeist und Engagement und Gottes reichen Segen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

   

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