´╗┐ KRM - Koordinationsrat der Muslime
2011-11-10
Gru▀wort von Olaf Zimmermann, BundesgeschńftsfŘhrer des Deutschen Kulturrates, zum Tag der Offenen Moschee 2011
Mit Freude komme ich der Bitte nach, ein Grußwort anlässlich des 15. Tags der offenen Moschee zu halten. Es ehrt mich hier als Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates vor Ihnen stehen und sprechen zu können.

15 Jahre „Tag der offenen Moschee“ in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte mit enormer integrativer Kraft. Eine Erfolgsgeschichte, die uns ins Gedächtnis holt, was durch Geschehnisse der letzten Jahre oftmals verdrängt wurde: Lange vor dem 11. September 2001 und lange vor der Einladung zur Deutschen Islamkonferenz durch den damaligen Bundesinnenmnister Wolfgang Schäuble haben die Muslime in Deutschland ihre Hand ausgestreckt, um mit allen hier Lebenden einmal im Jahr ein bundesweites Fest der Begegnung zu feiern. Jährlich laden Sie uns ein, Moscheen zu besuchen, Glauben zu erleben, Glauben und Glaubenspraxis verstehen, regelrecht begreifen zu lernen. Die Geschichte des Tags der offenen Moschee einleitend hervorzuheben, ist nicht zuletzt deshalb wichtig, da sich auch der Kulturbereich lange Zeit schwer tat mit den Themen „Muslime“, „Interkultur“ und „Islam als Teil der gemeinsamen Kultur“. Muslimisch geprägte Kunst ist nach wie vor in einigen Kunstbereichen ein weißer Fleck der Kulturlandkarte, der erst nach und nach an Farbe gewinnt. Vielleicht, und hier komme ich zurück auf meine Anfangseinlassungen, bedurfte es auch einem Ereignis wie dem 11. September, um vor Augen geführt zu bekommen, welche Bedeutung Religion für Kultur hat. Weißgott, diese Erkenntnis hätten wir uns alle auf anderem Wege gewünscht.

Der Deutsche Kulturrat als Spitzenverband der Bundeskulturverbände hat sich seit einigen Jahren verstärkt des Themas „Kultur und Religion“ angenommen. Unsere Arbeiten starteten auf vertrautem Terrain. So fragten wir nach der unbekannten kulturpolitischen Macht der Kirchen und beleuchteten das Verhältnis von christlichen Kirchen und Kultur.

Anfang dieses Jahres verließen wir die uns vertrauten religiösen Pfade und veröffentlichten das erste Dossier „Islam Kultur Politik“, zu dessen Erstellung Aiman Mazyek maßgeblich beigetragen hat. Inhaltlich setzt sich das Dossier mit den drei Spannungsfeldern „Islam“, „Kultur“ und Politik“ auseinander. Die Frage nach der Rolle des Islams für die Kultur in Deutschland zieht sich als roter Faden durch das Dossier. Fragen wie „Ist der Islam Bestandteil der deutschen Kultur?“, „Verändert der Islam die hiesige Kultur, und wenn ja wie?“ oder „Gibt es eine spezifisch deutsche künstlerische Auseinandersetzung mit dem Islam“ spüren die einzelnen Autoren im Dossier nach. Ziel dieses Dossiers war es, einen Beitrag zur Versachlichung der mitunter doch sehr plakativ, wenn nicht gar sinnfrei geführten Debatte um den Islam als Teil der deutschen Kultur zu erreichen.

Der Erfolg zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die gedruckte Ausgabe des Dossiers war nach einer Woche vergriffen und die kostenlose Onlineversion wurde über 500.000 Mal abgerufen. Und diesen Weg beschreiten wir, in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung, weiter: bislang sind insgesamt 3 Hefte „Islam Kultur Politik“ erschienen, das letzte mit dem Schwerpunkt 11. September. Es folgen bis 2013 weitere sechs Ausgaben, unter anderem zur muslimischen Jugendkultur. Informieren und geschürte Ängste abmindern, das wünschen wir uns als Folge der Lektüre.

Die Dossierreihe ist aber nur ein erster Schritt auf unserem Weg der Annäherung, des gegenseitigen Verstehens, der Begegnung und des gegenseitigen Respekts. Meiner Meinung nach muss „der Islam“ auch strukturell besser in Deutschland ankommen und aufgenommen werden. Sinnvoll und längst überfällig ist die Gründung eines muslimischen Wohlfahrtsverbandes in Analogie der christlichen Verbände Charitas und Diakonie. Eine solche Gründung halte ich nicht nur unter sozialen Gesichtspunkten für wichtig, sondern auch aus kultureller Sicht für dringend notwendig. Die Gründung von bundesweit tätigen muslimischen Kulturverbänden gilt es ebenfalls voranzutreiben. Der Deutsche Kulturrat als Spitzenverband ist keineswegs ein abgeschlossener Verein, der einzig christliche Kulturverbände beherbergt. Vielmehr sind Sie eingeladen, ich möchte fast sagen aufgefordert, Mitglied zu werden.

Sie sehen, Einiges wurde erreicht, Vieles gilt es zukünftig anzustoßen und umzusetzen. In diesem Sinne freue ich mich auf die weitere Zusammenarbeit des Deutschen Kulturrates mit muslimischen Verbänden und Partnern. So wünsche ich mir bei unserer täglichen Arbeit ebenso wie am heutigen Tag der offenen Moschee ein respektvolles und bereicherndes Miteinander.
   

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