KRM - Koordinationsrat der Muslime
2011-05-09
Mnster: Tagung ber Zukunft des Islamischen Relgionsunterricht in NRW

KRM: „Muslime hoffen, dass die über 20 Jahre lange Zeit der Schulversuche und Zwitterlösungen bald vorbei ist“ - Während es in NRW voranzugehen scheint, sind in Baden Württemberg noch nicht alle Organisationen am Prozess beteiligt

Münster - Nordrhein-Westfalen will den islamischen Religionsunterricht im nächsten Jahr schrittweise einführen. Nicht alle 320.000 muslimischen Schüler in Nordrhein-Westfalen könnten am islamischen Religionsunterricht teilnehmen, erklärte NRW-Schulministerin Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Freitag in Münster. Sie bezeichnete diesen Schritt jedoch als „Meilenstein zur Verwirklichung von Grundrechten und für mehr Integration“. Die Tagung, wo es u.a. um Inhalte und Zielrichtung des Islamunterrichtes an der Uni Münster ging und wie die passenden Lehrkräfte künftig ausgebildet werden sollen, war prominent vertreten. Grußworte hielten neben der Ministerin der KRM-Sprecher Aiman Mazyek, die Rektorin Professor Ursula Nelles und der Professor für islamische Religionspädagogik, Mouhanad Khorchide. Dabei wurde seitens der Uni und des Staates mit Lob nicht gegeizt, was die Zusammenarbeit mit dem Koordinationsrat der Muslime (KRM) angeht.

Der Münsteraner Professor für islamische Religionspädagogik, Mouhanad Khorchide, erklärte, der Religionsunterricht in den Moscheen solle nicht durch den schulischen ersetzt werden. Beide sollen nebeneinander existieren können. „Für uns ist es wichtig, Vertrauen zu den Verbänden zu bilden“, unterstrich Khorchide.

Mit der schrittweisen Einführung des islamischen Religionsunterrichts verbindet der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) die Hoffnung, dass nach über 20 Jahren „Schulversuche und Zwitterlösungen“ endlich die Politik mit den Muslimen zusammen dieses Unterfangen angeht, sagte KRM-Sprecher Aiman Mazyek. Schließlich entspräche dies auch „verbrieftem Verfassungsrecht“ und ebenso der Forderung des Deutschen Wissenschaftsrates. Nur um die Geltung dieses Rechtes ginge es den Muslimen über die ganzen Jahre und nicht um „exklusive Forderungen“. „Mit den Muslimen die Integration des Islam Deutschland voran bringen und nicht gegen sie“ kann das Credo zukünftiger Zusammenarbeit sein, so Mazyek weiter.

Am 22. Februar hatten der Koordinationsrat der Muslime (KRM) und die nordrhein-westfälische Schulministerin eine gemeinsame Erklärung zur Einführung eines Islamischen Religionsunterrichts unterzeichnet. Die Erklärung sieht unter anderem vor, dass dem Land Nordrhein-Westfalen im Einvernehmen mit dem KRM ein Beirat als Ansprechpartner für die Einführung des Islamischen Religionsunterrichts zur Seite steht (islam.de berichtete).

„Wir sind zuversichtlich, dass der Islam ganz selbstverständlich von der Politik und Gesellschaft als Religionsgemeinschaft angesehen wird“, sagte KRM-Sprecher Aiman Mazyek. Die Tatsache, dass sich NRW nun anschickt dies mit den Muslimen zu machen, wäre in der Tat ein Durchbruch für die derzeitige rot-grüne Landesregierung.

Im Beirat des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Tübingen ist ein großer muslimischer Dachverband im Land nicht beteiligt - Extremismusvorbehalt integrationshemmend

Die Universität Tübingen hat am 3. Mai 2011 mit einem Pressegespräch den Beirat für das Zentrum für Islamische Theologie und die beteiligten islamischen Verbände vorgestellt. Die Islamische Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg (IGBW) war zu dieser Vorstellungsrunde nicht eingeladen. Somit startet das Zentrum ohne Beteiligung dieses Dachverbands in Baden-Württemberg. „Dadurch werden rund 100 Moscheegemeinden ausgeschlossen. Es sind ja gerade diese Moscheen, die einen großen Bedarf an ausgebildeten Imamen haben“, sagte heute deren Vorsitzender Muhittin Soylu in Stuttgart.

„Wie will man diese Gemeinden überzeugen, die Absolventen als Imame oder Seelsorger einzustellen, wenn sie nicht als Partner in den Prozess eingebunden werden. Das gilt auch für die Akzeptanz der Religionslehrer/innen, die hier ausgebildet werden sollen. Das ist für eine breite Unterstützung des islamischen Religionsunterrichts von großer Bedeutung“, so Soylu weiter. Problematisch ist in der Tat, dass arabische, deutsche, albanische, afrikanische und Muslime anderer Herkunft, die in der IGBW organisiert sind, somit vorerst nicht im Beirat vertreten sind.

Dennoch ist die IGBW ist bereit, mit allen Beteiligten konstruktive Gespräche zu führen, um diese unvollständige Beiratszusammensetzung zu korrigieren und ist zuversichtlich, dass eine Lösung für die Beteiligung der Islamischen Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg gefunden wird, weil das für den Erfolg des Zentrums und Akzeptanz unter den Muslimen unabdingbar ist. Die Uni Tübingen signalisierte bereits früher, dass der Sitz im Beirat für die IGBW zunächst bis zur Klärung dieses Problems nicht gestrichen wird sondern vakant bleibt. Die „Probleme“ dürften politisch motiviert sein und damit zusammen hängen, dass der Verfassungsschutz immer noch einige Moscheen beobachtet. Einmal mehr wird deutlich, dass der bislang strukturelle Extremismusvorbehalt gegenüber islamischen Institutionen integrationshemmend ist.

   

zurück